Viele Grower verlassen sich auf einen festen Gieß-Timer: dieselbe Zeit, dieselbe Menge, Tag für Tag. Das fühlt sich planbar an, reagiert aber nicht auf das, was die Pflanze gerade braucht. Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wachstumsphase ändern den Wasserbedarf ständig. Wer nur die Zeitschaltuhr beachtet, steuert gegen die Biologie, nicht mit ihr. Crop Steering dreht das um: Der Sensor liest den Zustand des Substrats, das System gießt nach validen Daten. Die Grundlagen zur Wurzelzone findest du in Artikel #1.
Die alte Welt: Gießen nach Zeitplan
In der alten Welt der Bewässerung dominierte der feste Zeitplan. Zu jeder festen Uhrzeit wurde dieselbe Menge Nährlösung verabreicht. Die Idee war Konstantität durch Zeit und Menge. Was fehlt, ist der Blick in den Block. Der Wasserbedarf der Pflanze schwankt je nach Tag, Wachstumsphase, Licht und Klima; eine junge vegetative Pflanze braucht deutlich weniger als eine voll belichtete Blütenpflanze. Feste Intervalle lassen deshalb den volumetrischen Wassergehalt (VWC) im Substrat springen, und Wurzeln stehen dann zu nass im Sauerstoffmangel oder zu trocken. Wer nur die Drain-Menge beobachtet, ohne den VWC zu kennen, sieht wieder nur einen Ausschnitt, nicht das Gesamtbild.
Die neue Welt: Gießen nach Daten mit Crop Steering
In der neuen Welt steuert Crop Steering nicht die Zeitschaltuhr, sondern den Zustand des Substrats. Dafür gehören vier Größen zusammen, wie in Artikel #1 ausgeführt:
VWC (volumetrischer Wassergehalt) zeigt, wie voll Steinwolle oder Kokos mit Wasser ist. Ziel ist ein stabiler Bereich passend zur Wachstumsphase, weder Dauer-Nässe noch unkontrolliertes Austrocknen.
Transpirationssog und osmotisches Potential wirken getrennt. Nach oben werden Wasser und Nährstoffe über den Transpirationssog transportiert, der über die Blätter wirkt. An den Wurzeln entscheidet das osmotische Potential im Porenwasser über die Aufnahme. Je konzentrierter die Nährlösung, desto schwerer fällt der Pflanze die Aufnahme, selbst wenn der VWC hoch ist.
Der EC-Wert zeigt die Nährstoffkonzentration in der Lösung. Entscheidend ist der EC-Wert am Sättigungspunkt, wenn der Block nach einer Bewässerung die maximale Wasseraufnahme erreicht hat (Peak VWC), also die Nährstofflage in der gesättigten Zone unmittelbar nach dem Gießen. Das Hilhorst-Modell leitet aus VWC und Roh-EC den EC-Wert im Porenwasser ab und zeigt auch bei schwindendem Sensorkontakt durch den Dryback, was die Pflanze während der Rücktrocknung erlebt und wie sich die Konzentration der Nährstoffe im restlichen Porenwasser verhält.
Dryback bezeichnet die Reduktion des Wassergehalts im Block zwischen zwei Gießungen: die kontrollierte Austrocknung vom Peak nach dem Gießen bis zum gewünschten Wassergehalt in der folgenden Phase. Diese Phase regt Wurzelwachstum an und hilft, vegetative und generative Strategien zu lenken.
Vergleichstabelle: Alt vs. Neu
| Kriterium | Gießen nach Timer | Crop Steering (datenbasiert) |
|---|---|---|
| Steuergröße | Zeitschaltuhr, feste Gießmenge | Wassergehalt (VWC), EC-Wert am Sättigungspunkt, Dryback |
| Flexibilität | Gering | Hoch (reagiert auf Pflanze und Umwelt) |
| Präzision | Niedrig („Ratespiel“) | Hoch (basierend auf Messwerten) |
| Ergebnis | Inkonsistent, oft suboptimal | Reproduzierbar, optimierbar |
| Problembehandlung | Schwierig (Ursache unklar) | Gezielt (Daten zeigen die Abweichung) |
Datenbasiertes Crop Steering ist im kommerziellen Anbau langfristig Standard. In professioneller Substratsteuerung und in Cloud-Crop-Steering-Systemen gilt es als Norm, wie die etablierten Guides für Steinwolle-Substrate beschreiben, weil eine Zeitschaltuhr allein die Wurzelzone nicht lesen kann. Bist du bereit, die Leistung deiner Wurzeln gezielt zu optimieren und damit das genetische Maximum deiner Kultur auszuschöpfen?
Weiterlesen: Wie du mit NextGen BloX VWC und EC-Wert optimal steuerst und die Phasenlogik in Home Assistant abgebildet wird, erfährst du in Artikel #3 (Home Assistant). Zur Warteliste.
Viel Spaß mit dem Mehrwert.
Quellen
- Bugbee, B. (2022). Principles of Nutrient and Water Management for Indoor Agriculture. doi:10.3390/su141610204
Hinweis: Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine professionelle Beratung dar. Die Anwendung der genannten Methoden erfolgt auf eigenes Risiko. NextGen BloX übernimmt keine Haftung für Schäden oder Verluste, die sich aus der Nutzung dieser Informationen möglicherweise ergeben könnten.